Hat sich deine Art, den Sonntag zu verbringen, verändert, seit du das Buch geschrieben hast?
Vielleicht indem ich ihn noch ein bisschen bewusster und dankbarer erlebe. Die Art und Weise, wie wir den Sonntag gestalten, ist aber weiterhin sehr einfach und „niedrigschwellig“. Wir zünden am Samstagabend unsere Sabbatkerze an, ich schalte meinen Computer einen Tag lang aus, und dann versuchen wir, den Sonntag möglichst gut und stressfrei zu gestalten. Das gelingt mal mehr und mal weniger. Aber ganz langsam bringen uns die kleinen Rituale in einen besseren Lebensrhythmus.
Was ist deine Lieblings-Sonntagsbeschäftigung?
Oh, da muss ich ein paar nennen, weil für mich der Sonntag für die Fülle des Lebens steht: Ich liebe es, am Sonntag draußen zu sein und die Sonne oder den Wind auf der Haut spüren. Und ich mache innerlich alle Fenster Richtung Himmel auf und versuche Gottes Lächeln aufzufangen. Dann verbringe ich gerne ausgiebig Zeit mit den Menschen, die ich liebhabe und mit meinen Weggefährten, mit denen ich gemeinsam versuche, Jesus nachzufolgen. Und ich schlafe morgens gerne ein bisschen länger. (Gott sei Dank, macht das seit einiger Zeit auch mein Kind!) Das gehört für mich schon auch zu einem guten Sonntag. Und ein Frühstücksei. Wachsweich gekocht.
Was war für dich die schönste Entdeckung im Zusammenhang mit dem Thema „Slow Living“?
Dazu fällt mir die „stille Freude“ ein. Der Ausdruck gefällt mir so gut. Er hat so etwas Innerliches und Tiefes. Und ich glaube, das ist für mich die schönste Entdeckung: Dass im Bodensatz der Ruhe die Freude in ihrer schönsten und einfachsten Form zu finden ist: im Daseins-Glück.
Welchen konkreten Tipp hast du für andere Menschen, die auch Tempo aus ihrem Leben nehmen wollen?
Also abgesehen davon, dass ich ihnen empfehlen würde, mein Buch zu lesen (lacht): Lass mal einen Tag in der Woche etwas ruhen, was dir schwerfällt, aus der Hand zu geben. Das Handy. Der Blick ins Internet. Die Sorgen. Die Bitten im Gebet. Und mach stattdessen etwas Schönes. Das muss nichts Großes sein. Lies ein Gedicht. Lauf einen kleinen Rundweg. Bewundere ein paar Blumen. Schreib ein paar Dinge auf, für die du dankbar bist. Gönn dir etwas Leckeres zum Essen. Lausche ein bisschen in die Richtung, von der das Leben kommt. Also das wäre mein Tipp: Für einen Tag etwas Schweres aus der Hand legen und stattdessen die Hände nach etwas fassbar Guten ausstrecken. Und dann schau mal, was sich nach einigen Wochen verändert. Ob sich vielleicht ein bisschen von der stillen Freude in dir einstellt. Ich wünsch es dir!