James L. Rubart
„Es ist nie zu spät, um in Freiheit zu leben.“
Haben Sie sich schon einmal gefragt, was wäre, wenn Sie in der Zeit zurückgehen und Ihr jüngeres Ich treffen könnten? Was würden Sie ihm oder ihr sagen? Welche Entscheidung würden Sie aus heutiger Sicht nicht oder anders treffen? Fragen, die auch James L. Rubart fasziniert haben und über die er einen Roman geschrieben hat.
Herr Rubart, Brock Matthews, die Hauptperson Ihres neuen Romans, kann im Traum sein jüngeres Ich treffen und ihn dazu bewegen, manche Weichen in seinem Leben anders zu stellen. Wünschen Sie sich das auch selbst?
Eigentlich nicht. In manchen meiner anderen Bücher stecken viele meiner eigenen Erfahrungen und Dinge, die ich bereue, aber in Der Traum, der keiner war ging es mir eher um Hoffnung für die Zukunft. Ich bin überzeugt, dass es nie zu spät ist, um in Freiheit zu leben. Und ich glaube, dass es kein Problem und keinen Zerbruch gibt, in den Gott nicht eingreifen und neues Leben einhauchen könnte. Obwohl Brock also in diesem Buch viel mit Reue und Konsequenzen seines Handelns zu kämpfen hat, ist es eigentlich eine Geschichte über Heilung und Hoffnung.
Ich bin überzeugt, dass es nie zu spät ist, um in Freiheit zu leben.
Was würden Sie denn Ihrem jüngeren Ich sagen, wenn Sie könnten?
Eine gute Frage. Es gibt so einiges, was ich ihm sagen würde, aber hier mal drei Dinge: Ich würde mich dazu ermuntern, mehr Risiken einzugehen. Man hat ja meist das Gefühl, nicht bereit zu sein, aber ich würde mir raten, einfach mal zu springen und „unterwegs die Schwingen zu bilden“. Ich würde mir auch empfehlen, mir nicht so viele Gedanken darum zu machen, was andere Leute von mir denken. Das kann einen so sehr von einem Leben in Freiheit abhalten! Und drittens würde ich mir sagen, dass das Leben viel kürzer ist, als man es sich vorstellt, wenn man jung ist – also sollte man es voll auskosten.
Warum haben Sie Träume so sehr in den Mittelpunkt der Geschichte gerückt und was ist „luzides Träumen“?
Träume haben großen Einfluss auf uns. Manchmal wissen wir sofort genau, was ein Traum uns sagen will – dann wieder kapieren wir überhaupt nichts. Aber haben wir nicht alle schon mal so einen total unglaublichen, verrückten Traum gehabt? Ich finde, das ist ein faszinierendes Feld. Außerdem wollte ich, dass meine Hauptfigur sein jüngeres Ich treffen kann, ohne eine Zeitreise zu machen. Ich bin ja kein Science-Fiction-Autor, deshalb brauchte ich einen Weg, der für meine Begriffe mehr ins „wahre Leben“ passt. „Luzides Träumen“ heißt einfach, dass man sich im Traum bewusst ist, dass man träumt, und den Traum auch mehr oder weniger beeinflussen kann. Die meisten Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe, hatten solche Träume schon erlebt. Als ich mich mit dem luziden Träumen beschäftigt habe, habe ich festgestellt, dass es ein wirklich hilfreiches Werkzeug sein kann, um zum Beispiel Ängste zu überwinden oder Kreativität freizusetzen.
Ja, die Bibel berichtet von Träumen, die viel mehr sind als nur Produkte unseres Unterbewusstseins. Manchmal gebraucht Gott Träume, um zu uns zu sprechen und wichtige Ereignisse in unserem Leben vorzubereiten oder anzukündigen. Im Alten Testament hatte Josef Träume, die seine ganze Welt veränderten. Dem Josef im Neuen Testament sagte Gott in einem Traum, dass er Maria trotz ihrer Schwangerschaft heiraten sollte. In Apostelgeschichte 2,17 heißt es: „Wenn die letzte Zeit anbricht, sagt Gott, dann gieße ich über alle Menschen meinen Geist aus. Männer und Frauen in Israel werden dann zu Propheten. Junge Leute haben Visionen und die Alten prophetische Träume.“ Gott benutzt immer noch Träume, um zu uns zu reden. Davon bin ich überzeugt.
Die Bibel berichtet von Träumen, die viel mehr sind als nur Produkte unseres Unterbewusstseins.
Wie ernst nehmen Sie Ihre eigenen Träume? Hatten Sie schon einmal einen lebensverändernden Traum?
Ich nehme Träume sehr ernst. Zwar glaube ich nicht, dass das ständig passiert, aber ab und zu hat man, glaube ich, „geistliche“ Träume.
Brock zieht viel Selbstwertgefühl aus seinem beruflichen Erfolg. Ist das ein Phänomen unserer Zeit?
Ich glaube, dass das unabhängig von der Zeit ein verbreitetes menschliches Problem ist. Immer wieder sind wir versucht, auf Anerkennung von außen zu setzen: Geld, Freunde, Fähigkeiten, Erfolg, Auszeichnungen, Kinder, Partner ... Doch all das wird uns letztlich nicht ausfüllen und uns das geben, was wir nur bei Gott finden. Als Jesus dem reichen jungen Mann sagte, er solle alles verkaufen, was er hat, wollte er ihm nicht den Spaß verderben. Er wusste einfach, dass es ihn letztlich das wahre Leben kosten würde, wenn er sein Herz an Dinge hängte.
Sind die Hoffnung und Wiederherstellung, um die es im Buch geht, überhaupt möglich, auch wenn man nicht zurückgehen und Dinge verändern kann?
Aber ganz sicher! Wie ich schon sagte: Das Leben ist kurz. Wenn man glaubt, dass dieses Leben hier alles ist, dann könnte man allerdings verzweifeln. Aber ich glaube daran, dass danach noch etwas kommt, und laut Jesus werden dann alle Dinge neu. All diese Momente voller Schmerz und Sehnsucht und Reue werden einmal neu gemacht werden. Geheilt, wiederhergestellt, berichtigt. Jesus ist gekommen, um das wiederherzustellen, was verloren war.
Jesus ist gekommen, um das wiederherzustellen, was verloren war.
Ich glaube, dass im Himmel all diese wiederhergestellten Dinge pausenlos gefeiert werden. Und im Hier und Jetzt? Es macht einfach keinen Sinn, in der Vergangenheit hängenzubleiben. Sie ist, wie der Name schon sagt, vergangen. Das Hier und Jetzt, dieser Augenblick, ist unsere Gelegenheit, die Dinge zum Besseren zu verändern, Entscheidungen zu treffen, die uns und die Menschen um uns herum lebendiger machen. Das ist unsere Freiheit.
Ihr Wunsch, Bücher zu schreiben, wurde von einem der größten Autoren der Welt beflügelt. Wie war das genau?
Mit 11 Jahren habe ich die Chroniken von Narnia von C. S. Lewis richtiggehend verschlungen und mich natürlich total in Aslan verliebt. Ich weiß noch, wie mich der Schluss von Die Reise auf der Morgenröte völlig umgehauen hat. Aslan sagt zu Edmund und Lucy, dass sie nicht mehr nach Narnia zurückkehren können, aber dass er auch in ihrer Welt lebt – nur unter einem anderen Namen. Mein kleines Gehirn explodierte fast, als ich begriff, dass Aslan Jesus bzw. Jesus Aslan ist. In diesem Moment habe ich verstanden, dass hundertmal mehr Macht darin liegt, eine Geschichte über Jesus zu erzählen, als einfach Fakten aufzuzählen. Damals begann mein Traum, eines Tages Menschen Geschichten erzählen zu können, die ihnen einen neuen Zugang zu Gott ermöglichen.
Welche Botschaft wollen Sie Ihren Lesern mitgeben?
Meine Hoffnung ist, dass das Buch Leute verändert. Dass sie darüber nachdenken und größere Freiheit im Hier und Jetzt und Hoffnung für die Zukunft finden.
© Mit freundlicher Genehmigung der Litfuse Publicity Group / Gerth Medien 2016