Sarah Brendel
Before The Mountains
Mutig beschreitet Songdichterin Sarah Brendel neue Wege. Genre-Grenzen lässt sie hinter sich und gestaltet Musik so, wie sie selbst sie hört und fühlt. Im Interview berichtet Sarah über das, was ihr bei den Aufnahmen von „Before The Mountains“ wichtig war.
Du bist ein Original. Deine Musik ist einzigartig. Wie kreierst du diese „Soundcollagen“, die deine Lieder so unverwechselbar machen?
Sarah Brendel: Diesmal sind es vor allem Streicher: Geige, Bratsche und Cello, die viel zum Gesamtsound des Albums beigetragen haben. Als Soundcollage kann besonders der Schluss von Little Mirror gelten. Da haben wir ganz viele elektrische Gitarren übereinandergelegt. Ich hatte mal mit meinem Diktiergerät ein Gespräch zwischen Larry Norman und mir zum Spaß aufgenommen, das haben wir auch noch dazu gemischt. Bei To Hungry Listeners haben wir zum Kratzen einer leiernden Schallplatte Aufnahmen aus den frühen 60ern von Vertretern der Bürgerrechtsbewegung gemischt. Das gibt dem Song eine ganz eigene Stimmung. Mein Papa meinte, es würde ihn von der Atmosphäre an das Folk-Trio „Peter, Paul and Mary“ erinnern.
Für „Before The Mountains“ warst du nicht nur als Sängerin aktiv, sondern auch als Produzentin? Wie kam es dazu?
Sarah Brendel: Ich habe ja schon eine Musiklaufbahn hinter mir, mit Managern, Plattenfirmen, einem Umzug nach Nashville und vielem mehr. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Leute mir so viel wie möglich abnahmen: Vom Konzerte buchen bis zum promoten meiner CDs und vieles mehr. Weil die Leute ihre Arbeit meist auf hohem Niveau machten – unter anderem auch das Plattenproduzieren - hatte ich nicht die Energie und sah auch keine wirkliche Notwendigkeit, es selbst zu probieren. Erst nach dem Umzug in einen total neuen Lebensabschnitt - in eine Künstlerkommunität auf einem Schloss bei Dresden, mit eigenem Studio im Hinterhaus - und erst nachdem ich mich vom gängigen Musikbusiness verabschiedet hatte, kam der Gedanke auf „Before The Mountains“ mit meinem guten Freund Arno aufzunehmen. Die Zeit war einfach reif und ich war innerlich darauf vorbereitet, wie auf eine Geburt.
Was ist dir wichtig mit den 15 Songs deines aktuellen Albums auszudrücken?
Sarah Brendel: Musik ist mein Ausdrucksmittel. Mein Innerstes verschafft sich durch Lieder Gehör. Ich kann das nicht erklären, ich verarbeite in meiner Musik auch viel aus meinem Unterbewusstsein, also ist mir vieles was ich singe und schreibe gar nicht immer bewusst. Generell beschäftigt mich das Leben und wie ich es lebe. Da denke ich gerade an eine Stelle aus dem Film „Der Club der toten Dichter“, wo jemand ein Gedicht von Henry D. Thoreau zitiert: „Ich wollte nicht das leben, was kein Leben war, denn das Leben ist so kostbar. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen ...“Was Kennzeichnet die einzelnen Etappen, die zur Entstehung der CD führten?
Sarah Brendel: Trennung und Neuanfang. Um zu erkennen, wer ich bin und was ich wirklich will, musste ich mich von alten Bindungen lösen. Das war ein schmerzhafter, aber befreiender Prozess. Seit drei Jahren leben wir mit Freunden zusammen in einer Lebensgemeinschaft, eine wichtige Etappe für dieses Album! Nachdem ich dem Musikbusiness erst mal ade gesagt hatte, wollte ich alles ganz alleine durchziehen, weil ich bei der Suche nach „meiner“ Musik in keiner Weise beeinflusst werden wollte und weil ich Zeit brauchte um mich wiederzufinden. Dann habe ich eines Tages darüber nachgedacht, was es heißt jemandem zu vertrauen und dass das nur geht, wenn ich demjenigen alles zutraue. Und damit begann ein ganz neuer Prozess. Ich fing an mit engen Freunden das Album aufzunehmen und entdeckte dabei Schätze, die ich alleine nicht gefunden hätte, weil ich mich bestimmt auf dem Weg verlaufen hätte. Der ganze kreative Prozess, der mit den Albumaufnahmen freigetreten wurde, geht weiter. Das Video zur Albumsingle What A Happy Life wäre auch nicht entstanden, wenn nicht innovative Freunde mitgemacht hätten. Jetzt helfen Freunde beim Verbreiten des Albums und wir alle lernen dabei voneinander. Ich bin gespannt, wo uns das alles hinführt.
Du hast „Before The Mountains“ unter anderem auch gemachen um zu lernen. Was konntest du aus dieser Zeit mitnehmen?
Sarah Brendel: Ich lerne immer noch. „Before The Mountains“ hat mich zurück in die Freiheit geführt, die ich von meinen allerersten Aufnahmen kenne als ich einfach Musik gemacht habe, ohne darüber nachzudenken, was als nächstes kommt.
Neben der Musik zeigt auch die Ausstattung, dass dieses Album etwas Besonderes ist. Wolltest du von Anfang an die CD-Hülle als „Buch“ zum Aufblättern gestalten?
Sarah Brendel: Ja, ich glaub schon. Es ist auf jeden Fall eins der schönsten Booklets, die ich je gesehen habe!
Was ist für dich das Beste an „Before The Mountains“?
Sarah Brendel: Das alles zusammengehört und nichts ohne das andere funktioniert. Das Ganzheitliche, das Gesamtwerk und dass es weitergeht immer weiter, weil es zeitlos ist.
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